Nullzins-Gewinner: Wer von der Niedrigzinsphase profitierte
Zwischen 2016 und 2022 lag der EZB-Leitzins bei null oder darunter. Für Sparer war das eine Katastrophe – für andere eine historische Chance. Wer gewann, wer verlor, und warum das System so funktioniert.
Die Verlierer: Sparer mit Bargeld und Festgeld
Wer in der Nullzinsphase sein Geld auf dem Tagesgeld- oder Festgeldkonto parkierte, erhielt nominal nahezu null Zinsen. Real – nach Abzug der Inflation – verlor er jedes Jahr Kaufkraft. Eine Million Euro auf dem Girokonto 2016 war 2022 kaufkraftbereinigt weniger als 850.000 € wert.
Die Gewinner 1: Immobilieneigentümer
Günstige Baufinanzierungen trieben die Nachfrage nach Immobilien. Wer zwischen 2016 und 2020 eine Immobilie kaufte oder bereits besaß, profitierte doppelt: vom Preisanstieg (Wertzuwachs) und von den niedrigen Zinskosten. In deutschen Großstädten stiegen Wohnimmobilienpreise zwischen 2016 und 2022 um 50–80 %.
Die Gewinner 2: Aktienanleger
Niedrige Zinsen bedeuten: Anleihen werfen nichts ab, also fließt Kapital in risikoreichere Anlagen – vor allem Aktien. Die Niedrigzinsphase hat den längsten Bullenmarkt der US-Geschichte (2009–2022) mitgetragen. Wer Aktienfonds oder ETFs hielt, profitierte massiv.
Die Gewinner 3: Schuldner
Staatliche Schuldner (Deutschland, aber auch hochverschuldete Euroländer) konnten sich zu Negativzinsen finanzieren – der Markt zahlte ihnen für das Leihen von Geld. Unternehmen mit guter Bonität emittierten Anleihen zu historischen Tiefst-Kupons. Private Häuslebauer schlossen Kredite zu 0,8–1,5 % effektiv ab.
Was das System aussagt
Die Niedrigzinsphase hat Vermögen umverteilt: von Sparern ohne Sachwerte zu Eigentümern von Aktien und Immobilien. Wer keine Sachwerte hatte und auf Bankzinsen angewiesen war, verlor real. Diese Entwicklung hat die Vermögensungleichheit in Deutschland nachweisbar verstärkt.
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