Warum sinken Sparzinsen schneller als sie steigen?
Beobachten Sie genau: Bei Leitzinserhöhungen steigen Kreditzinsen schnell. Sparzinsen folgen langsam. Bei Senkungen sinken Sparzinsen sofort. Das hat strukturelle Gründe.
Das Phänomen: Asymmetrische Zinsweitergabe
Ökonomen nennen es „Interest Rate Stickiness" oder asymmetrische Pass-Through-Geschwindigkeit. Studien der Bundesbank und der EZB bestätigen: Zinserhöhungen werden bei Krediten schneller weitergegeben als bei Einlagen – und Zinssenkungen werden bei Einlagen schneller umgesetzt als bei Krediten.
Die drei Hauptgründe
- Marktmacht und Wechselträgheit: Banken wissen, dass Kunden selten wegen 0,5 % mehr Sparzins die Bank wechseln. Kreditkunden hingegen vergleichen aktiv. Deshalb lohnt es sich für Banken, bei Einlagen zurückhaltend zu sein.
- Refinanzierungsstruktur: Wenn Banken Kapital für Kredite brauchen, reagieren sie sofort auf Marktpreise. Einlagengeschäft ist das „billige" Passivgeschäft – und wird taktisch ausgesteuert.
- Wettbewerbsdruck: Im Tagesgeldmarkt gibt es deutlich mehr Wettbewerb (Direktbanken, ausländische Anbieter) als im klassischen Spargeschäft der Filialbank. Wo Wettbewerb höher ist, gibt es schnellere Weitergabe.
Was Sie tun können
Nutzen Sie den Wettbewerb: Tagesgeld-Vergleich lohnt sich, weil Direktbanken unter höherem Druck stehen als Filialbanken. Bei fallenden Leitzinsen: Festgeldzinsen sichern, solange sie noch attraktiv sind – Tagesgeld wird schnell sinken.