Warum gibt es so unterschiedliche Zinsen?
Tagesgeld 3,6 %, Dispo 10,8 %, Ratenkredit 7,2 %, Baufinanzierung 3,85 % – alles sind Zinsen. Warum liegen sie so weit auseinander?
Die fünf Faktoren, die jeden Zinssatz formen
Ein Zinssatz ist nie zufällig. Er ergibt sich aus der Kombination von fünf grundlegenden Faktoren:
| Faktor | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Ausfallrisiko | Wie wahrscheinlich ist Rückzahlungsausfall? | Dispo: hoch → hoher Zins |
| Laufzeit | Wie lange ist Kapital gebunden? | 30-J-Anleihe teurer als 1-J |
| Liquidität | Wie schnell kann man an Kapital ran? | Festgeld teurer als Tagesgeld |
| Sicherheit | Ist Kredit besichert? | Hypothek günstiger als Dispo |
| Marktstruktur | Wie stark ist der Wettbewerb? | Online vs. Filialbank |
Warum ist der Dispo teurer als die Hypothek?
Eine Hypothek ist grundpfandrechtlich besichert – bei Zahlungsausfall kann die Bank die Immobilie verwerten. Das Ausfallrisiko ist gering. Der Dispositionskredit ist unbesichert, täglich verfügbar und hat kein definiertes Rückzahlungsdatum. Das Risiko für die Bank ist deutlich höher – ebenso die Zinsen.
Warum ist Tagesgeld schlechter als Festgeld?
Beim Tagesgeld kann der Sparer sein Geld täglich abziehen. Die Bank muss entsprechende Liquiditätsreserven halten. Beim Festgeld ist das Kapital für eine definierte Zeit fest – die Bank kann länger damit planen. Dafür zahlt sie mehr. Der Aufschlag für Planbarkeit ist der strukturelle Grund für den Renditeunterschied.
Warum zahlt die gleiche Person für verschiedene Kredite verschiedene Zinsen?
Weil sich das Risiko der Bank unterscheidet – nicht das Risiko, dass Sie nicht zahlen wollen, sondern dass die Transaktion dennoch schief geht. Eine Baufinanzierung mit Grundschuld ist für die Bank anders abgesichert als ein unbesicherter Ratenkredit. Der Zinssatz spiegelt das bankenseitige Risikoprofil wider, nicht Ihre Kreditwürdigkeit allein.