Zinsen und Immobilienpreise – wie hängt das zusammen?
Steigende Zinsen führen zu fallenden Immobilienpreisen – das ist die vereinfachte Theorie. Die Realität ist komplexer und zeigt, dass viele Faktoren gleichzeitig wirken.
Der direkte Kanal: Erschwinglichkeit
Höhere Bauzinsen erhöhen die monatliche Rate für den gleichen Kaufpreis. Wer bei 1,5 % Zinsen noch 400.000 € finanzieren konnte, kann bei 4 % nur noch 280.000 € finanzieren – bei gleicher Rate. Dieser Erschwinglichkeitseffekt dämpft die Nachfrage nach teurem Wohneigentum.
Was in Deutschland passiert ist (2022–2024)
Nach dem Zinsanstieg 2022 sanken die Immobilienpreise in Deutschland um 10–15 % (je nach Region und Lage). Das war eine Korrektur nach dem Boom, nicht ein Einbruch. Die Preise für Mietwohnungen stiegen gleichzeitig – weil viele potenzielle Käufer mangels Finanzierbarkeit Mieter blieben.
Warum ist der Zusammenhang nicht einfach linear?
- Wohnungsmangel: Struktureller Mangel in Ballungsräumen wirkt als Preisunterstützung
- Inflation: Immobilien gelten als Sachwert – Inflation kann Preise trotz hoher Zinsen stützen
- Demografik: Steigende Haushaltszahl hält die Nachfrage hoch
- Investoren: Profianleger kaufen bei Preisrückgängen ein – stabilisiert den Markt
Was bedeutet das für Käufer?
Auf günstigere Zinsen zu warten und dabei hohe Mieten zu zahlen, ist keine freie Strategie: Bei fallenden Zinsen steigen Preise wieder. Die Frage ist nicht „Zinsen oder Preis", sondern welche Gesamtbelastung für Sie tragbar ist.